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Ein Bekenntnis zur Stadt. Stefan Forster im Gespräch mit Alice Sàrosi und David Kasparek Stefan Forster, Referent des 11. Berliner Gesprächs des Bundes Deutscher Architekten BDA, spricht im Interview über das Bauen in und vor der europäischen Stadt. Der Frankfurter Architekt stellt dabei ein blindes Festhalten an den Ideen zum Umgang mit dem Bestehenden von Carlo Scarpa grundlegend in Frage und spricht sich für ein Weiterbauen der Stadt aus, deren stadträumliche Qualitäten durch eine missverstandene Moderne verloren gegangen sind.

David Kasparek Herr Forster, Sie haben in Berlin bei Kollhoff studiert und bezeichnen Ernst May als eines Ihrer großen Vorbilder. Inwiefern spielen die Haltung von Hans Kollhoff und dem Modernen Bauen der 1920er Jahre, das Sie hier aus Frankfurt kennen, für Sie dabei zusammen? Welches Bild von Stadt ergibt sich für Sie daraus?
Stefan Forster Ernst May ist für mich das Beispiel für den großflächigen Wohnungs- und Großsiedlungsbau. Stadt ist meiner Meinung nach nicht nur Innenstadt, sondern auch die Stadt vor der Stadt. Die Typologie der Siedlung vor der Stadt ist ein Teil der Stadt. Da gibt es für mich keinen Widerspruch. Wir beschäftigen uns auf der einen Seite mit innerstädtischen Projekten, die eine sehr klare Haltung verfolgen: die des Blocks. Auf der anderen Seite bearbeiten wir Projekte vor der Stadt, bei denen das Bauen in der Landschaft zum Thema wird. In beiden Situationen haben wir immer bestimmte Vorbilder.

David Kasparek Sie sprechen den ‚Megablock’ an. Vorbilder kennen Sie aus Berlin: Taut, Gutkind oder Mebes. Spielen diese Vorbilder für Sie im heutigen Entwerfen eine Rolle?
Stefan Forster Eigentlich immer. Wenn wir eine Aufgabe für städtisches Wohnen bekommen, was zum Glück in letzter Zeit häufiger der Fall war, dann haben wir immer die Typologie des Großblocks, des großen Zusammenwohnens, vor Augen. Bezeichnender Weise ist das „Moderne“, was heutzutage gemacht wird, eigentlich für mich uninteressant.

Alice Sárosi Was ist für Sie in diesem Kontext „modern“?
Stefan Forster Mit „modern“ meine ich all das, mit dem wir durch tägliche diverse Newsletter konfrontiert werden – das ist für mich relativ uninteressant. Wir beschäftigen uns mit Typologien, mit Grundrissen, dabei kommen wir immer wieder zu den alten bewährten Typologien zurück: Wo sitzt das Treppenhaus, wie verteilen sich die Wohnungen am Treppenhaus etc. Das Wohnen hat sich so sehr eigentlich gar nicht verändert – vielleicht in Nuancen. Deswegen ist es sinnvoll, sich mit klassischen Themen zu beschäftigen.

David Kasparek Die klassischen Vorbilder als moderne Reminiszenz der Blockrandbebauung – wie findet sich die Idee von Kollhoff, die Stadt da weiter zu bauen, wo sie in ihrer Entwicklung unterbrochen wurde, in Ihrem Werk?
Stefan Forster Ich sehe mich in einem Kontinuum und versuche auf positive Dinge, die wir einmal hatten, auf die wir zurückschauen können, die unsere Geschichte ausmachen, zurückzukommen und den Anschluss daran wieder herzustellen. Es gibt diesen Bruch in der Entwicklung – verbunden mit all der Kriegs- und Nachkriegsproblematik. Wir haben eine wunderbare Bauhistorie in Deutschland, die nach dem Krieg verloren gegangen ist. Hier versuche ich anzuknüpfen. Wenn wir über „Wohnen in der Stadt“ reden, denken wir doch eigentlich immer an das Wohnen im Block und damit letztlich an die klassische Altbauwohnung. Da gibt es für mich nichts neu zu erfinden.

David Kasparek Spielt eine klare Vorstellung von Wohnen, von öffentlich und privat, in der Entwurfsfindung eine Rolle? Wie kann das Wohnen heute aussehen?
Stefan Forster Es geht darum, bestimmte Bedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtigen. Was wir im Moment beobachten, ist ein extremes Bedürfnis nach Sicherheit, nach Rückzug. Die vielen Einflüsse, die von Außen kommen, das Verwirrende, das auf die Menschen einströmt, das ganze Chaos – dies muss alles vom Menschen ferngehalten werden. Die Wohnung als Rückzugsgebiet spielt deswegen eine immer größer werdende Bedeutung für den Bewohner. Das ist etwas, das unsere Gebäude durchaus ausstrahlen sollen. Das Haus hat die Aufgabe, Schutz zu bieten. Dies erreicht man durch eindeutige Zonierung und letztlich durch Zugangsbeschränkungen. Damit verbunden ist die Frage, wie eine Gemeinschaft in dem jeweiligen Haus und um den Hof herum entstehen kann.

Alice Sàrosi Sie konstatieren einen Rückzug von der früher propagierten strikten Offenheit?
Stefan Forster Ja. Weg von der Idee der Durchwegung, bei der durch jeden Hof auch jeder durchgehen kann, wo alle überall hinkönnen. Stattdessen kann nur derjenige dorthin, der da auch wohnt oder eingeladen ist. Dieser Aspekt ist heute sehr wichtig.

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David Kasparek
Das, was wir an den Altbauten schätzen, ist ihre räumliche Qualität, die Neutralität der Räume. Ist das für Sie eine Form der Nachhaltigkeit? Gilt es, diese Nachhaltigkeit auch für die eigene Arbeit als Maßstab anzulegen?
Stefan Forster Wir haben in den letzten Jahren für uns eine Art Schema entwickelt, mit dem wir auf Wohnungsbaugenossenschaften und auf deren Nutzer reagieren können. Das sind zunächst einmal Spänner-Typen – Drei- bis Vierspänner in der Regel – weil man dann Wohnungen untereinander schalten kann. Das sind einfache Grundthemen. An den Altbau als großes Vorbild kommt man meist nicht heran, weil man die Raumhöhe und die Raumzuschnitte nicht hat. Dennoch versuchen wir, relativ neutrale Räume auszubilden. Vor allem aber versuchen wir, nutzerneutrale Grundrisse zu entwickeln. Eine Wohnung muss für 99 Prozent der Bevölkerung benutzbar sein. Auch hier gehen wir von traditionellen Denkschemata aus. Eine gute Durchwegung der Wohnung beispielsweise: man kommt zuerst in den Flur oder in die Diele, von der aus die Zimmer abgehen und gelangt dann in den öffentlichen Bereich mit Wohnzimmer und Küche als Raumverbund. Das hat nebenbei räumlich den Vorteil, dass eine Wohnung größer aussieht, wenn man erst einmal ein Stück weit laufen muss. Die einzelnen Räume benötigen dabei bestimmte Dinge, sehr traditionell: beispielsweise das Schlafzimmer einen Drei-Meter-Wandschrank, dann ausreichende Abstellräume, eine Garderobe am Eingang – das sind ganz banale Dinge.

Alice Sàrosi Die einfachen, vermeintlich kleinen Dinge also?
Stefan Forster Ja. Jede Wohnungsbaugesellschaft, mit der wir reden, kennt diese Themen. Wenn wir die Anforderungslisten von den Bauherren bekommen, so sind diese fast immer gleich. Es gibt also nichts Neues zu erfinden und auch nichts weiter hinzuzufügen, denn es handelt sich hier um Grundbedürfnisse. Wir haben bestimmte Typologien entwickelt, die wir immer wieder einsetzen, die letztlich eher banal sind die bewusst keine Experimente darstellen.

Alice Sàrosi
Gibt es im Bereich des Wohnungsbaus noch Experimentierfelder für Sie?
Stefan Forster Beim Wohnen ist alles schon gemacht und erprobt worden, bis hin zu solchen Dingen wie verschiebbaren Wänden. Da sehen wir heute tatsächlich nur noch Stellschrauben. Das heißt, wir reden heute über mehr Außenflächen: es gibt ein
Bedürfnis nach Vergrößerung der Außenbereiche, sowohl zum Hof als auch zur Straße hin. Da der Mensch am Tag länger in seiner Wohnung ist, braucht er mehr Außenbezug. Damit wird auch die Tatsache kompensiert, dass es in der Stadt kaum Grün gibt. Dies sind die Nuancen, an denen wir arbeiten und aus denen sich ein Repertoire ergibt.

David Kasparek Im Grunde haben Sie sich eine Art allgemeinen Setz- oder Werkzeugkasten erstellt, den Sie individuell anwenden.
Stefan Forster Wir haben ein Regelwerk für unsere Wohnungsbauten entwickelt. Das beinhaltet auch die Frage nach dem Funktionieren einer Stadt und dem Funktionieren des Wohnens in der Stadt. Wenn ich mit Bauherren über solche Dinge spreche, renne ich fast immer offene Türen ein, denn diese sagen, genau das sei ihr Problem. Die Bauherren wissen es zu schätzen, dass man sich mit ihren Problemen und Anforderungen beschäftigt.

David Kasparek Das Weiterbauen also mit Rücksichtnahme auf die vorhandene Stadtstruktur?
Stefan Forster Ja, denn die Aufgabe ist nicht die, in einer Straßenfront das Besondere, sondern das Normale zu machen – und Wohnungsbau ist nun einmal das Rückgrat einer Stadt. Es ist das Füllmaterial und es geht nicht darum, Zeichen zu setzen. Das sollen Andere machen mit irgendwelchen öffentlichen Bauten. Das ist eine traditionelle Vorstellung von Stadt, die von Aldo Rossi kommt.

David Kasparek Wenn solche Parameter für das Leben in der Stadt gelten, gelten sie dann auch für das Leben vor der Stadt?
Stefan Forster Wir haben die Differenzierung: Vor der Stadt lebe ich anders. Ich ziehe bewusst vor die Stadt genauso wie ich bewusst in die Stadt ziehe. Die Frage ist, wie wohne ich, wenn ich vor der Stadt lebe. Da gehört in unseren Augen eine Freifläche dazu oder eine Dachterrasse. In der Siedlung vor der Stadt wohne ich offener, in Verbindung mit der Natur. Das Wohnen vor der Stadt muss in einer Siedlung stattfinden. Man hat immer das Vorbild der Gartenstädte im Hinterkopf. Das war auch der theoretische Ansatz bei unserem Projekt in Leinefelde. Dies hat geklappt, weil wir bestimmte Grundvoraussetzungen hatten. Wenn es aber darum geht, die Grundstücke einzeln oder an Bauträger zu verkaufen, so schafft man es meist nicht, diese Homogenität zu erhalten, die beispielsweise Ernst May oder Bruno Taut geschaffen haben. Sie hatten den Vorteil, alles aus einer Hand machen zu dürfen.

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David Kasparek
Bezug nehmend auf die Fragen der Qualität und die Fähigkeit weiter zu bauen: Sind die Strukturen der Plattenbauten, wie zum Beispiel in Leinefelde, dann nicht ganz hervorragend und qualitätvoll, weil man mit ihnen so frei umgehen kann?
Stefan Forster Für uns war das eine Art von Experiment. Es war die Findung eines Meinungsbilds: Was heißt bauen vor der Stadt eigentlich? Ob das eine ‚Platte’ ist oder nicht, ist unwichtig. Wichtiger war uns, wie das Wohnen vor der Stadt aussieht – die Gebäudehöhe beispielsweise.

David Kasparek Kommen wir noch mal zurück auf Scarpa: darauf, dass der Eingriff in den Bestand gezeigt und dass das Zusammentreffen von Alt und Neu thematisiert wird. Das findet sich in Ihren Projekten ja kaum wieder.
Stefan Forster Das ist für mich eine völlig unzeitgemäße akademische Ebene. Immer dieser Ansatz des „Zeigens“. Ich persönlich finde es aufdringlich, wenn Architekten andauernd mit dem Zeigefinger kommen und sagen: da musst du schauen, da habe ich mir was gedacht, wie all die Dinge gefügt sind und Alt und Neu zusammenkommen. Im Grunde interessiert mich das überhaupt nicht mehr. Ich finde das nicht zeitgemäß. Es geht für mich am aktuellen Thema vorbei. In Leinefelde ging es nicht darum, an die ‚Platte’ zu erinnern, sondern diese in ein neues Image zu transportieren. Das war die Aufgabe, und nicht einen Dialog mit der Platte herzustellen – was ja auch völlig unsinnig wäre. Was ich aber als Grundgerüst vorfinde, die Betonstruktur beispielsweise, mit der man irgendwie umgehen muss, das finde ich interessant. Und allein von daher interessiert mich das kunsthistorische oder kunsthandwerkliche Moment wie bei Scarpa eigentlich weniger.
Zunächst sollte man eine analytische Herangehensweise entwickeln und sich fragen, was man will, was die Anforderungen sind und welche Bedeutung das Gebäude in einem wirtschaftlichen Kontext hat. Dann kann man darauf reagieren – mit architektonischen Mitteln. Natürlich kann ich mir durchaus auch vorstellen, dass ich mit historischem Bestand umgehe und das dann auch zeige. Die architektonische Reaktion wäre dann jedoch situationsabhängig.

David Kasparek Wenn man das etwas abgegriffene Thema der „Nachhaltigkeit“ noch einmal bemüht: Kann dann für sie Abriss oder Teilabriss und Neubau auch eine Form der Nachhaltigkeit sein – vor allem, wenn die vorhandene Substanz marode ist?
Stefan Forster Es geht uns auch da vor allem um die analytische Herangehensweise. In den letzten Jahren haben wir uns sehr häufig mit Umbauprojekten beschäftigt. Man fängt euphorisch an und freut sich: jetzt habe ich dieses Gebäude und da passen wunderbar diese Grundrisse hinein. Aber eigentlich muss man in diese Projekte viel tiefer einsteigen und nach dem Kosten-Nutzen-Faktor fragen. Das sind normale Bedingungen, die dann in der Praxis auf einen zukommen. Und nach solchen Kriterien kamen wir bei vielen Projekten zu dem Ergebnis, dass es besser ist, abzureißen, dass es sich gar nicht rechnet, die Bauten zu erhalten. Das ist ein mathematischer Fakt. Erst in zweiter Linie geht es dann um Architektur. Es geht in erster Linie um eine Herangehensweise, pragmatisch und auf
Augenhöhe mit dem Bauherrn. Wir können uns das gar nicht leisten, da kunsthistorisch dranzugehen. Wir müssen uns fragen: was haben wir, was muss gemacht werden und was kostet das. Man muss nachweisen, was sinnvoll ist. Den Grundriss zu machen, ist das einfachste – einfacher, als dahinter zu schauen und zu eruieren, was das bautechnische Problem ist.
Auf der andern Seite muss man auch feststellen, dass unsere Gesellschaft oft gedankenlos mit dem Thema Abriss umgeht. Es kann teilweise Sinn machen, dass man mehr investiert als der Neubau kosten würde, um das Bestehende zu erhalten. Einfach, weil das Haus Teil des kollektiven Gedächtnisses ist – das ist eine völlig andere Ebene. Der Erhalt des kollektiven Gedächtnisses muss der Gesellschaft etwas wert sein. Ich denke beispielsweise an Frankfurt: das Eiermann-Hochhaus wurde abgerissen, das AEG-Hochhaus, das Rundschau-Gebäude, das Elsässer-Gebäude wird zerstört – relativ schnell wurden diese Sachen einfach aufgegeben. Es wäre besser gewesen, den Bestand zu integrieren, um das Alte in Erinnerung zu behalten.

Alice Sàrosi In Leinefelde haben Sie es sehr gut geschafft, im vorgegebenen Rahmen des Budgets zu bleiben. Wie bewerkstelligt man das auf dem schwierigen Feld des „Rückbaus“?
Stefan Forster Inzwischen ist das eigentlich kein schwieriges Feld mehr für uns. Wir können auf einige Erfahrung zurückblicken und wissen, was wie viel kostet. Die Bedingungen in Frankfurt sind völlig andere als in Leinefelde. Hier haben wir eine wunderbare Mischung aus Gesellschaften und freien Investoren, mit deren verschiedenen Denkweisen wir vertraut sind. Der Genossenschaftler denkt beispielsweise in längeren Zeiträumen und ist deswegen oft bereit, mehr zu investieren, während es dem freien Investor eher um den schnellen Abverkauf geht.

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David Kasparek Haben diese unterschiedlichen Voraussetzungen in Ost und West Auswirkung auf die Planung?
Stefan Forster Inzwischen haben wir durch unser Renommee einen guten Stand. Das ist im Osten so und wird mittlerweile stärker von Bauherren hier im Westen erkannt. Die Bauherren wissen, dass wir eine gewisse Haltung haben, wir machen nicht „alles“ – wir sind oft auch manchen Geldgebern zu kompliziert. Seit zwanzig Jahren ist es mein Streben, zum Ursinn des Freiberuflers zurück zu kommen – nämlich frei zu sein und sagen zu können: ihr könnt mich mal... (lacht)

Alice Sàrosi Daran würde ich gerne anknüpfen: Bei Ihrem Vortrag im Rahmen des 11. Berliner Gesprächs haben Sie durchaus streitbare Thesen in den Raum gestellt. Sie haben zum einen von sich als „Romantiker“ in Bezug auf Ihre Vorstellung vom Wohnen gesprochen. Zum anderen haben Sie erwähnt, dass Sie an Kritik aus der Bevölkerung nicht sonderlich interessiert sind, da Architekten den besseren Blick für baulich Relevantes hätten. Da ecken Sie doch auch bei Investoren an…
Stefan Forster Ja sicher. Das muss man vielleicht etwas relativieren: Ich habe schon konkrete Vorstellungen, die meist nicht völlig konträr zu denen des Bauherrn sind. Es geht sicher darum, zu wissen, was das Problem ist, wie dieses zu lösen ist und wie daraus Architektur entstehen kann. Hier bleibe ich relativ hartnäckig. Es gibt auch Situationen, wo wir sagen: mit uns geht das nicht, bestimmte Dinge machen wir nicht mit. Das ist eine Haltung, die ein Architekt haben muss. Ich spreche mit einer Erfahrung von zwanzig Jahren in diesem Beruf. Diese Erfahrung drückt sich natürlich in meinem Auftreten aus.

Alice Sàrosi Sie haben einige Projekte in Frankfurt am Main. Ist das auch ein Engagement für die eigene Stadt?
Stefan Forster Das war schon immer ein Anliegen von mir. Ich bin seit 1995 hier ansässig. Es macht Spaß zu sehen, wie sich die eigene Stadt weiterentwickelt, und daran mit zu bauen. Wir Architekten sind schon etwas eitel: Wir sind stolz darauf, dass wir etwas zurücklassen… Dennoch ist es unser Bestreben, auch außerhalb von Frankfurt zu bauen. Es ist immer die Frage, auf welcher Ebene man in eine Stadt hineinkommt. Wenn ein Bauherr sagt, „wir würden gerne mit Ihnen zusammen arbeiten“, kommt man auf einer anderen Ebene in die Stadt. Die Unvoreingenommenheit einer anderen Stadt gegenüber als der eigenen, ist das Schöne daran.

Alice Sàrosi Bleiben wir im Osten der Republik bei der ‚Platte’ und dem Thema Umbau: Ist das noch aktuell für Sie?
Stefan Forster Für mich war das eigentlich abgeschlossen. Wir haben jedoch gerade einen Auftrag für ein ähnliches Projekt in Halle-Neustadt bekommen. Wir machen dort aus Zweispännern Dreispänner und versuchen, mit ähnlichen Themen wie in Leinefelde umzugehen, diese aber auch weiter zu entwickeln. Aber prinzipiell ist das Thema für uns eher abgehakt. Wir reproduzieren die Themen, die wir schon erprobt haben. Es geht da nur um graduelle Unterschiede – ein anderer Plattentyp zum Beispiel. Es ist keine neue Herausforderung mehr. Der Wohnungsbau in der europäischen Stadt – das ist das, was uns am meisten interessiert.

David Kasparek Herr Forster, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Dipl.-Ing. Stefan Forster (*1958) studierte an der TU Berlin. Von 1988 bis 1993 war er Assistent am Lehrstuhl für Wohnungsbau der TH Darmstadt. Seit 1989 führt er ein eigenes Büro, zunächst in Darmstadt, von 1995 an als FORSTER und SCHNORR architekten in Frankfurt, seit 2000 unter dem Namen STEFAN FORSTER ARCHITEKTEN. Das Büro widmet sich neben innerstädtischen Neubauprojekten dem Um- und Rückbau von Plattenbauten. Schule machte dabei das Projekt im thüringischen Leinefelde.

Alice Sàrosi-Tumusiime ist Chefin vom Dienst der Zeitschrift der architekt. Sie lebt und arbeitet in Bonn und Berlin.



Das Interview erschien in:

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des Originalbeitrags


Abbildungen 1 Stefan Forster Architekten mit Karl Richter, Wohn- und Geschäftshaus Westgarten, Frankfurt am Main, 2005
2 Stefan Forster Architekten mit Karl Richter, Wohnanlage Voltastraße, Frankfurt am Main, 2006
3 Stefan Forster Architekten, Stormstraße, Leinefelde, 2007, Zustand nach dem Umbau
4 Stefan Forster Architekten, Büchnerstrasse 2-16, Leinefelde, 2007, Zustand nach dem Umbau
alle Fotos: Jean-Luc Valentin