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forum mobile, Westsächsische Hochschule, Zwickau 2008
schulz & schulz architekten, Leipzig

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Schatzhaus Am südöstlichen Rand des Campus der Hochschule Zwickau liegt die neue Lehrsammlung Historische Fahrzeuge. Das Team von schulz & schulz architekten aus Leipzig hat dieses „forum mobile“ dabei in einer Art und Weise errichtet, die sich als konsequentes Fortschreiben des Typus „Schatzhaus“ lesen lässt. Wo in der Antike in kleinen, meist tempelartigen Bauten wertvolle Weihgaben aufbewahrt wurden, die von einzelnen Städten den großen Heiligtümern gestiftet wurden, ist der Neubau in Zwickau einer Technologie des Ortes gewidmet, die mit der Stadt im Osten der Republik untrennbar verknüpft ist: dem Fahrzeugbau. Horch und Audi haben hier ihre Wurzeln, der Trabant entstammt den Werken der Stadt, heute produziert hier Volkswagen. Die seit der Verlegung der Horchwerke nach Zwickau im Jahre 1904 bis heute andauernde Geschichte des Autobaus hat den Ort geprägt.
Neben der Ausbildung für Montage und Fertigung steht somit auch die Ausbildung zum Fahrzeugingenieur auf der Agenda der Stadt, soll doch nicht ausschließlich produziert, sondern auch eigenständig entwickelt werden am Technologiestandort Deutschland. Am Institut für Kraftfahrzeugtechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau werden diese künftigen Entwickler für die Automobilbranche ausgebildet.
Das neue Haus nimmt dabei die Sammlung historischer Fahrzeuge auf, anhand derer die Studierenden die Grundlagen des Fahrzeugbaus erlernen sollen, und fügt sich angenehm unaufgeregt in den Kontext des Konglomerats an Gebäuden des Hochschulcampus. Erst durch diesen Bau erhält der neue Campusplatz seine südliche Begrenzung, wodurch dieser zwischen zwei Hochschulgebäuden und der Mensa zu einem zentralen Außenraum der Hochschule wird. Zum Platz hin öffnet sich der an Ost- und Westseite hermetisch geschlossene Baukörper mit einer aus Schiebeelementen gebildeten Glasfassade. So rahmt das Gebäude selbst die Schätze, die es in sich birgt und inszeniert diese auf subtile Weise. Während die einschalige massive Betonhülle außen mit weißem Lack versehen wurde, ist der Innenraum in einem homogenen roten Latexanstrich ausgeführt. Auch diese Unterscheidung zwischen Innen und Außen unterstreicht den besonderen Umgang des Bergens und Schützens der Kostbarkeiten im Inneren. Das Äußere des Baus stellt sich unaufdringlich in den Dienst des Hochschulareals und seiner gesamträumlichen Konfiguration, das Innere akzentuiert die Besonderheiten, die hier zu sehen und zu erleben sind.
Zwischen den beiden aussteifenden Technikkernen findet sich, als Ergänzung zur Sammlung der Automobile und durch eine Glaswand von dieser abgetrennt, ein Seminarraum. An der Südseite des Baus, der dem Platz abgewandten Seite der Sammlung, bietet dieser Raum sowohl die nötige Ruhe für Veranstaltungen und Projektgruppen als auch die visuelle Verbindung zu den Ausstellungsstücken. Der Bau ist mehr als nur eine Schauvitrine der Geschichte, sondern
tatsächlicher Lehrraum der Gegenwart. Die Architekten haben das Gebäude so ausgeformt, dass es seinem Nutzen dienlich ist und einen formal angemessenen Rahmen für seine Inhalte bietet.
David Kasparek

Projektdaten
„forum mobile“, Westsächsische Hochschule, Zwickau, 2008
Architekten: schulz & schulz architekten GmbH, Leipzig
Mitarbeiter: Dipl.-Ing. Architektin Karen Bachmann, Dipl.-Ing. Architekt Dirk Lämmel
Standort: Scheffelstraße 39, 08066 Zwickau
Bruttogrundfläche: 553 m2
Hauptnutzfläche: 372 m2
Bruttorauminhalt: 2.434 m3
Gesamtbaukosten: 1.126.000,- Euro
Wettbewerb: Februar 2007
Baubeginn: November 2007
Fertigstellung: September 2008
Einweihung: Oktober 2008


Der Text erschien in:

der architekt 2/09
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pdf-download des Originalartikels